Die Binnenschifffahrt fristet ein Schattendasein

Das Binnenschiff ist im Inlandsverkehr das wirtschaftlichste aller Transportmittel, da es mit weitem Abstand am kostengünstigsten ist. Die Binnenschifffahrt trägt zur Entlastung des Straßenverkehrs bei und ist daher eine Alternative zum Transport auf Schiene und Straße. Die Emissionen sind verglichen mit dem LKW-Verkehr erheblich geringer. Ein modernes Binnenschiff ersetzt 90 LKWs und entlastet den Schienenverkehr. Des Weiteren eignet sich die Binnenschifffahrt hervorragend für den Transport von Gefahr und Schwergütern. Das hat sich nun auch bis in die Bundesregierung herumgesprochen. Mit Hilfe eines „Masterplanes Binnenschifffahrt“ will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mehr Güter auf die Wasserstraßen bringen und den Anteil am bundesweiten Gütertransport auf zwölf Prozent „steigern“ Anbetracht der Perspektiven und Anreize halte ich einen Wert von 20 % für erstrebenswert.


Laut Statistischen Bundesamt friststet trotz aller Bemühungen auch 2019 die Binnenschifffahrt ein Schattendasein bei den Transportmitteln. Von 4 745 698 in Deutschland transportierten Gütertonnen wurden 2019 imposante 3 208 197 Tonnen mit dem LKW transportiert. Auf der Schiene wurden lediglich 340 558 Tonnen und mickrige 205 114 Tonnen auf den Wasserstraßen befördert. Auf den 7700 Kilometern Deutscher Wasserstraßen sind etwa 5% des 2019 angefallenen Gütervolumens transportiert worden. Das entspricht dem Niveau Anfang der 60ger Jahre.  


Mit 969 Millionen Euro steht für die Binnenschifffahrt deutlich mehr Geld im Verkehrsetat als in früheren Jahren zur Verfügung. Dies ist auch bitternötig, denn das Niedrigwasser von 2018 hat die Frachtkosten explodieren lassen und der Branche geschadet, obwohl dies eigentlich nicht nötig war. Aus diesem Grund sind zuallererst die Fahrrinnen auszubaggern und Häfen zu schaffen, die auch über die nötigen Containerterminals und Verladevorrichtungen verfügen. Ferner ist auch an den Uferschutz zu denken, da diese durch die erhöhte Anbrandung von Schiffswellen stark betroffen werden.  Ich spreche mich dafür aus, verstärkt Hafeninfrastrukturen für den Kombinierten Verkehr zu schaffen und eine Anbindung an Straße und Schiene herzustellen. Besonders der Rhein bietet sich aufgrund seiner Länge und geografischer Lage für die Binnenschifffahrt geradezu an. Er profitiert vom Transitverkehr, der weiter zunehmen wird. Am Rhein ist das Entstehen solcher „ Verteilerzentren für den kombinierten Verkehr“ verstärkt zu fördern. Insbesondere Mannheim als zweitgrößter Binnenhafen Deutschlands sowie größter Güterbahnhof und einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Deutschlands kann hier eine zentrale Rolle einnehmen.


Gerade in der Diskussion um Lärm durch Güterverkehr kann die Binnenschifffahrt die Lösung sein. Viele Produkte, die derzeit noch im Güterverkehr befördert werden, könnten ohne Probleme auf Wasserstraßen verlagert und an den Verteilzentren auf den weiteren Weg innerhalb der Zielregion umgeladen werden


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