Dritte Rheinquerung jetzt

Wir Kurpfälzer sind seit Jahrhunderten gewohnt, die Zumutungen von wechselnden Obrigkeiten mit Gleichmut und Humor zu ertragen. Jetzt sind wir zu Hunderttausenden vom Verkehrsinfarkt betroffen und stehen stundenlang im Stau, der auf die Unfähigkeit einer verbohrten Politik zu echten Problemlösungen zurückgeht. Wenn etwas die Rhein- und Neckarpfälzer auszeichnet ist es ihre Mobilität im Raum und im Denken. Sie wollen „schaffen“, das ist Teil ihres Selbstwertgefühls. Damit stehen sie in einer guten Tradition. Bei uns wurden bahnbrechende Erfindungen in der Mobilität gemacht, aber auch in der Agrochemie, die aus der Pfalz den Gemüsegarten Deutschlands gemacht hat, von der aber auch die gesamte Menschheit bis heute profitiert.


Seit Generationen wurde immer wieder geplant, die rheinüberschreitenden Verkehre mit einer Brücke bei Altrip zu entzerren. Dies wurde im Kompetenzwirrwarr zwischen den Bundesländern zerredet, mal verhinderte das alte Römerdorf Altrip eine Lösung, weil es nicht angeschlossen werden sollte, dann wiederum weil es angeschlossen werden sollte.


Die Region braucht eine weitere Rheinquerung, ob Brücke oder Tunnel, um die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Vor knapp zwanzig Jahren  wurde durch Staatsvertrag dreier Bundesländer die Metropolregion Rhein-Neckar errichtet, die das historische Unrecht der napoleonischen Teilung teilweise wiedergutmacht. Aber auch sie wird ihrem Namen mit ihrer kleinkarierten Verkehrsverhinderungspolitik nicht gerecht. Es wäre auch schade, wenn sich die einst verlorenen Westgebiete 200 Jahre nach der Teilung von Rhein- und Neckarpfalz egoistisch abschotten würden.


Auch eine Tunnellösung bei Altrip wäre zwar teuer, aber eine dringend notwendige Jahrhundert-Investition in die Infrastruktur, von der die Großstadtbewohner, die Berufspendler und die regionale Wirtschaft enorm profitieren würden.


Mannheim hat einen umfangreichen Ziel und Quellverkehr: Vorortbewohner gehen gerne „in die Stadt“ zum Einkaufen, Flanieren, in die „Wirtschaft“ oder zu Kulturevents. Dort treffen sie auf Rhein- und Neckarpfälzer mit dem gleichen Ziel. Es gibt auch Gegenbesuche, Mannheimer fahren ins Umland, an die Baggerweiher und Altrheinseen, in Pfälzerwald und Odenwald zum Wandern oder zum Essen usw. Die derzeitigen Diskussionen um Verkehrs„entwicklung“ unterbinden im Endeffekt unsere freie Entscheidung, wann und wie wir von A nach B kommen wollen, sie zielen letztlich auf unsere Mentalität und Lebensart. Im Landtag werde ich allen Plänen entgegentreten, die der Mannheimer Verwaltung den Weg ebnen, den innerstädtischen Verkehr zu strangulieren.


Auch die Überlebensfähigkeit der Wirtschaft hängt von einer dritten Rheinquerung im Süden ab. Nicht alle Akteure und Güter können mit dem Fahrrad und der Altriper Rheinfähre organisiert werden. Auch die Innenstadt könnte so vom Schwerlastverkehr entlastet werden. Das muss wieder auf die Tagesordnung in den Landtagen von Stuttgart und Mainz.


Wir lehnen aber eine ideologisch motivierte, autofeindliche Verkehrspolitik ab, die den motorisierten Individualverkehr künstlich behindert und versucht, die Bürger umzuerziehen. Daher lehnen wir auch den Rückbau von Hauptverkehrsstraßen ab. Ludwigshafen ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie man eine Innenstadt ruiniert: Ruinen schaffen ohne Waffen. Die grüne Weltuntergangssekte und ihre Trittbrettfahrer im etablierten Parteienblock machen sich zum späten Vollstrecker des agrarromantischen amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau, dessen Großeltern immerhin aus Mannheim kamen. Meschugge, aber letztlich doch einer von uns. Er wollte uns immerhin nicht „in die Steinzeit zurückbomben“ wie General Westmoreland, kein Mannheimer, die tapferen Vietnamesen.


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